Vogelfotografie, Populationsbiologie & Zoogeographie

Autor und Fotograf: Prof. Dr. J. H. Klemme

 

Uferschnepfe (Limosa limosa): Männchen [Naturpark Dümmer (NS), April]  
 

 Wie alle Lebewesen haben sich auch Vögel im Laufe der Jahrzehntausende durch genetische Selektion an die verschiedenen Lebensräume angepasst. In einer baumlosen Feuchtwiesenlandschaft leben also ganz andere Arten als z.B. in einer trockenen Heckenlandschaft. Diesem populationsbiologischen Prinzip entsprechend habe ich die von mir und der Mitautorin M. Eekhoff fotografierten Vögel nicht einfach alphabetisch aufgelistet, sondern unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Lebensraumes gruppiert. Man muss sich aber dessen bewusst sein, dass es nicht nur "Spezialisten" gibt, die nur in einem ganz bestimmten Habitat leben können (wie die im obigen Bild gezeigte Uferschnepfe, ein Charaktervogel der immer seltener werdenden Feuchtwiesen-Biotope), sondern auch "Generalisten", die mit verschiedenen Standorten zurecht kommen.

Als Beispiel für die "Generalisten" sei hier die Amsel (Turdus merula) genannt, die man in Wäldern, Feldgehölzen, Heckenlandschaften, kommunalen Parks & Friedhöfen und sogar in kleinsten städtischen Gärten antrifft. Im Gegensatz dazu ist z.B. die Wasseramsel (Cinclus cinclus), übrigens keine direkte Verwandte der Amsel, eine "Spezialistin", die zwingend auf schnell fließende saubere Bäche und kleinere Flüsse als Lebensraum angewiesen ist.

Ein weiterer Aspekt der Biologie der Vögel ist die geographische Lage und Ausdehnung des Brutgebiets. Die in Mitteleuropa zu beobachtenden Vögel sind überwiegend "Europäer". Ihre Brutgebiete können Gesamteuropa umfassen (manchmal auch inklusive nordafrikanische Regionen) oder auf europäische Teilregionen beschränkt sein (z.B. Mittelmeergebiet [Beispiel: Korallenmöwe (Larus audouinii)], Mittel- und Osteuropa, Nordeuropa, Westeuropa etc.). Etliche dieser "Europäer" sind aber auch "Eurasier", weil sich ihre Brutgebiete von West- bzw. Mitteleuropa bis Mittel- oder sogar Ostasien hin erstrecken. Nur wenige Arten haben ein geographisch eng begrenztes Brutgebiet, z.B. der Korsenkleiber (Sitta whiteheadi), der nur auf Korsika brütet, oder die Sardengrasmücke (Sylvia sarda), die nur auf Sardinien, Korsika und den nahegelegenen toskanischen Inseln zu Hause ist (die Allospezies S. sarda balearica nur auf den Balearen mit Ausnahme Menorcas). 

 Wie nicht anders zu erwarten, sind die Brut-, Zug- und evtl. Überwinterungsgebiete der Vögel keine konstanten "Merkmale", sondern unterliegen evolutionären Veränderungen. Weltweit haben sich in den letzten Jahrhunderten bzw. Jahrzehnten die Lebensräume und/oder die Zugwege zahlreicher  Vogelarten verändert. Hier zwei Beispiele aus der europäischen Vogelwelt: Das Brutareal der Mittelmeermöwe (Larus michahellis), die ursprünglich nur an den Mittelmeerküsten und der südfranzösischen Atlantikküste brütete, hat sich in den letzten Jahrzehnten bis nach Mitteleuropa hin ausgedehnt. Und eine Allospecies vom Birkenzeisig (Carduelis flammea) [Allospec. cabaret, "Alpenbirkenzeisig"] , deren mitteleuropäische Brutgebiete bis Anfang der 1950er Jahre nur in den hohen Mittelgebirgen (Bayrischer Wald, Böhmerwald, Riesengebirge) und in den Alpen lagen, hat sich neuerdings (mit zunehmender Häufigkeit) auch in den weniger hohen Mittelgebirgen (z.B. in der Eifel) und im Tiefland als Brutvogel etabliert.      


Hinweis: Quelle der Informationen zu den Arten und der wissenschaftlichen Nomenklatur: Das Kompendium
der Vögel Mitteleuropas. Ein umfassendes Handbuch zu Biologie, Gefährdung und Schutz.
   H.-G. Bauer, E. Bezzel & W. Fiedler, Hrsg., AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012

 

Vogelfotografie in der Eifel

Vogelfotografie in Zeeland (NL)